Piercing und Tattoo-Verbot

Derzeit geistert eine Debatte durch die Medien. Das Innenministerium Baden-Württemberg plant ein Verbot von Tattoos und Piercing, um das äußere Erscheinungsbild der PolizeibeamtInnen zu verbessern. Die Reaktionen darauf sind geteilt. Insbesondere aus den Reihen der Gewerkschaften kommt Kritik.

Für bemerkenswert an dem geplanten Verbot von Körperschmuck aller Art halten wir die Begründung. Eine Studie der Hochschule der Polizei habe ergeben, dass inkorrektes Auftreten die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte fördere. Dies sei, neben der möglichen Verletzungsgefahr bei körperlichen Auseinandersetzungen, ein Grund, Tattoos und Piercings zu verbieten.

Als Verein PolizeiGrün haben wir uns eine noch bürgerfreundlichere Polizei zum Ziel gesetzt. Deshalb halten wir es selbstverständlich für wichtig, dass sich die Polizei Gedanken macht, wie sie auf die BürgerInnen wirkt. Eine Debatte über das Auftreten und die Wirkung von PolizeibeamtInnen halten wir daher für durchaus angebracht. Allerdings glauben wir, dass eine Verordnung von oben nicht zielführend ist. Die Debatte über dieses Thema sollte sich aus der Polizei heraus entwickeln und permanent geführt werden. Die Gesellschaft verändert sich und die Polizei muss sich diesen veränderten Bedingungen immer wieder anpassen.

Eine Diskussion über Tattoos und Piercing greift deshalb zu kurz. Das Auftreten der Polizei gegenüber den BürgerInnen darf nicht auf solche Äußerlichkeiten reduziert werden, sondern erstreckt sich über ein weites Feld von Sprache, Höflichkeit, Haltung und selbstverständlich auch rechtlich korrektem Einschreiten.

In diesem Kontext sei angemerkt, dass die vielfach angesprochene Studie zur Förderung der Gewaltbereitschaft durch inkorrektes Auftreten kein einziges Mal das Wort Tattoos erwähnt. Auch Piercings wurden nicht geprüft. In allen Testreihen ging es um korrekte Kommunikation und die richtig sitzende Uniform. Und es mag niemanden verwundern, dass es vor allen Dingen die inkorrekte Kommunikation war, die die Gewaltbereitschaft bei den Probanden erhöhte. Die inkorrekte Uniform musste hingegen schon sehr “inkorrekt” getragen werden (z.B. heraushängendes Hemd), um signifikante Ergebnisse zu erzielen.

Im Endergebnis wurde hier eine Diskussion zur Unzeit in die Öffentlichkeit getragen. Die Realität sieht anders aus. Flächendeckend gibt es bei der Polizei kein Problem mit anstößigen Tattoos oder Piercings. Und das derzeit stark diskutierte Thema „Gewalt gegen Polizeibeamte“ ist sicher nicht auf Tattoos und Ohrringe zurückzuführen. Die Polizei braucht die Diskussion um ihre Wirkung auf die BürgerInnen, sie braucht sie aber intern und permanent, damit sich die Haltung von innen heraus entwickeln kann und nachhaltig gelebt wird. Eine Verordnung von oben wird hier unseres Erachtens nichts bringen.

Man kann Tattoos und Piercings zwar verbieten, aber Freundlichkeit nicht verordnen und uns wäre ein freundlicher und korrekter Polizeibeamter mit Ohrstecker deutlich lieber als einer mit tadellos gescheitelter Frisur und perfekt sitzender Uniform, der die BürgerInnen aber herablassend und autoritär behandelt.